
Lass mich dir eine Geschichte erzählen: Letzten Herbst sprach ich mit einem Winzer aus der Pfalz. Sein Problem? Trotz erstklassiger Weine dümpelte der Direktverkauf vor sich hin. Zwei Monate später organisierte er sein erstes Hoffest – und verkaufte an diesem einen Wochenende mehr Wein als in den sechs Monaten davor zusammen.
Das ist kein Zufall. Events sind dein stärkster Hebel für mehr Umsatz und Stammkunden. Aber nur, wenn du sie richtig angehst.
Warum Events bei Weingütern so verdammt gut funktionieren
Menschen kaufen Emotionen, nicht nur Wein. Wenn jemand deine Trauben zwischen den Fingern spürt, den Boden riecht und dir dabei zuhört, wie du von der schwierigen Ernte 2022 erzählst, entsteht Vertrauen. Diese emotionale Verbindung schlägt jeden Online-Shop.
Der zweite Grund: Du verkaufst direkt vor Ort – ohne Zwischenhändler, ohne Provision. Deine Marge bleibt komplett bei dir. Plus: In entspannter Atmosphäre geben Menschen deutlich mehr aus als geplant. Aus einem geplanten Flaschen-Kauf werden schnell drei Kartons und ein Jahres-Abo.

Drittens schaffst du Wiedererkennungswert. Gäste, die einmal bei dir waren, erinnern sich. Sie empfehlen dich weiter, bestellen später online nach und kommen zu deinem nächsten Event.
Die 5 Event-Formate, die wirklich funktionieren
1. Das klassische Hoffest
Dein Einstiegsformat. Regionale Küche, Weinverkostung, gemütliche Atmosphäre. Der große Vorteil: Kein Eintritt nötig, niedrige Hemmschwelle. Idealerweise 2-3 mal im Jahr – Frühling, Spätsommer, Herbst.
2. Themenweinproben
„Burgunder durch die Jahrhunderte" oder „Jung gegen Alt" – mit Storytelling wird die Weinprobe zum Erlebnis. Hier kannst du höhere Preise verlangen und gleichzeitig deine teuersten Tropfen präsentieren.
3. Weinbergswanderungen mit Verkostung
Führe deine Gäste direkt zu den Reben. Erzähle vom Terroir, von der Arbeit im Weinberg. Schließe mit einer Verkostung ab. Funktioniert besonders gut von April bis Oktober.
4. After-Work-Events
Donnerstag ab 17 Uhr, lockere Atmosphäre, jüngeres Publikum. Kombiniere mit leichter Küche und schaffe so eine entspannte Feierabend-Stimmung.
5. Saisonale Specials
Federweißer-Fest im September, Glühwein-Verkostung im Advent, Rosé-Event im Sommer. Nutze die natürlichen Höhepunkte des Weinjahres.
So planst du Events, die sich rechnen
Timing ist alles. Vermeide Konkurrenzveranstaltungen in deiner Region. Sprich dich mit anderen Winzern ab oder kooperiere gleich mit ihnen. Ein gemeinsames Event kann größer aufgezogen werden und zieht mehr Besucher an.
Setze auf Regelmäßigkeit. Einmal im Jahr reicht nicht. Deine Stammkunden sollen wissen: „Bei Müller ist immer was los." Drei bis vier Events jährlich sind optimal.
Kalkuliere realistisch. Ein gelungenes Hoffest sollte mindestens 100-150 Besucher anziehen. Bei einem durchschnittlichen Umsatz von 25-40 Euro pro Person kommst du auf 2.500-6.000 Euro Tagesumsatz. Davon gehen Kosten für Catering und Aufwand ab, aber der Reingewinn ist meist deutlich höher als beim normalen Verkauf.

Events mit digitalem Marketing verbinden
Hier machen viele Winzer den größten Fehler: Sie verlassen sich nur auf Mundpropaganda. Aber ohne digitale Bewerbung verschenkst du 50% deines Potentials.
Social Media richtig nutzen: Poste Vorher-Nachher-Bilder vom Aufbau, zeige hinter den Kulissen, teile Gäste-Feedback. Instagram und Facebook sind deine besten Freunde für Event-Marketing.
Newsletter sind Gold wert: Verschicke Einladungen an deinen E-Mail-Verteiler. Erstelle Vorfreude mit „Sneak Peeks" und Last-Minute-Erinnerungen.
Google My Business: Trage alle Events als Termine ein. Das verbessert deine lokale Sichtbarkeit enorm.
Profitipp: Sammle bei jedem Event E-Mail-Adressen. Ein einfaches „Möchtest du über unser nächstes Fest informiert werden?" bringt dir wertvolle Kontakte für die Zukunft.
Feiertage als Event-Booster nutzen
Das vierte Quartal ist deine Goldgrube. Von Oktober bis Dezember steigt die Nachfrage nach Wein exponentiell. Nutze das:
- Erntedank-Event mit frischem Federweißer
- Martinsgans-Abend mit passenden Rotweinen
- Adventsmarkt auf dem Hof mit Glühwein und Geschenkpaketen
- Silvester-Special mit Schaumwein-Verkostung
Kombiniere Events mit gezielten Angeboten: „Wer heute drei Flaschen kauft, bekommt die vierte gratis" oder „Last-Minute-Weihnachtsgeschenke: Heute 20% auf alle Geschenkboxen."
Erfolg messen und optimieren
Tracke deine Zahlen: Wie viele Besucher hattest du? Wie hoch war der Umsatz pro Kopf? Wie viele Newsletter-Anmeldungen gab es? Nur was gemessen wird, kann verbessert werden.
Sammle Feedback: Ein einfacher QR-Code auf den Tischen führt zu einer kurzen Umfrage. Frage nach Verbesserungsvorschlägen und gewünschten zukünftigen Events.
Beobachte Folgeeffekte: Der wahre Erfolg zeigt sich oft erst Wochen später durch Online-Bestellungen oder Weiterempfehlungen. Notiere dir, welche Events die meisten Nachfolge-Käufe generieren.

Die häufigsten Event-Killer (und wie du sie vermeidest)
Schlechtes Wetter ohne Plan B: Habe immer eine Indoor-Alternative parat. Zelte, Scheune oder Keller – Hauptsache, die Veranstaltung kann stattfinden.
Zu wenig Personal: Nichts ist schlimmer als überlastete Gastgeber. Plane mindestens eine Person pro 20 Gäste ein.
Langweilige Präsentation: Du kennst deine Weine in- und auswendig, aber erzähle Geschichten! Menschen merken sich Geschichten, keine technischen Daten.
Der Dominoeffekt: Ein Event führt zum nächsten
Das Schöne an Events: Ein zufriedener Gast wird zum Multiplikator. Er bringt beim nächsten Mal Freunde mit, empfiehlt dich weiter, bestellt online nach. Ich kenne Winzer, die 80% ihres Direktverkaufs über Stammkunden generieren, die sie auf Events kennengelernt haben.
Dein nächster Schritt: Plane noch heute dein erstes Event für das kommende Jahr. Fang klein an – ein Weinberg-Spaziergang mit anschließender Verkostung reicht für den Anfang.
Events sind kein netter Zusatz für dein Weingut. Sie sind dein direkter Weg zu mehr Umsatz, Stammkunden und einer starken lokalen Marke. Die Frage ist nicht ob, sondern wann du anfängst.
In Teil 3 dieser Serie zeige ich dir, wie du Weinpakete und Geschenkideen entwickelst, die deine Kunden wirklich haben wollen.


