
Geschenkweine sind pure Goldgrube für dein Weingut – wenn du sie richtig angehst. Ich sehe immer wieder Winzer, die ihre besten Flaschen in schöne Kartons packen und sich wundern, warum die Pakete im Laden verstauben. Das Problem? Sie denken wie Weinmacher, nicht wie Geschenkgeber.
Als jemand, der schon hunderte Weingüter bei ihrer Vermarktung begleitet hat, kenne ich die Stolperfallen. Aber auch die Erfolgsrezepte. Heute zeige ich dir, wie du Weingeschenke kreierst, die Kunden regelrecht aus den Händen reißen.
Vergiss den perfekten Wein – denk an den perfekten Moment
Der häufigste Denkfehler: Du packst deine besten Weine zusammen und hoffst auf Käufer. Falsch gedacht! Geschenkgeber kaufen nicht Wein – sie kaufen Emotionen und Momente.
Ich rate meinen Weingut-Kunden immer: Denk zuerst an den Anlass, dann an den Wein. Ein Paket für den Schwiegervater braucht andere Flaschen als eines für die beste Freundin. Ein Geschenk zur Beförderung andere als zur Hochzeit.
Erfolgreiche Paket-Kategorien, die ich immer wieder empfehle:
- "Genussabend zu zweit" – Zwei Flaschen, edle Schokolade, Kerze
- "Feierabend-Entspannung" – Unkomplizierte Weine mit Snacks
- "Besonderen Moment feiern" – Premiumwein plus Sekt
- "Weinreise um die Welt" – Drei verschiedene Regionen, eine Geschichte

Die Psychologie des Schenkens verstehen
Nach Jahren der Beratung weiß ich: Geschenkgeber haben drei Hauptsorgen:
- "Gefällt es auch?" – Sie wollen sicher sein, dass der Beschenkte das Geschenk mag
- "Wirkt es wertig genug?" – Das Paket soll ihre Wertschätzung ausdrücken
- "Bin ich peinlich?" – Sie fürchten sich vor Fehlgriffen
Deine Weinpakete müssen diese Ängste nehmen. Wie? Mit klarer Kommunikation und cleverer Zusammenstellung.
Mein bewährtes 3-Säulen-System:
Säule 1: Der sichere Klassiker – Ein Wein, der praktisch jedem schmeckt (meist ein weicher Rotwein oder frischer Weißwein)
Säule 2: Das besondere Extra – Etwas, was Eindruck macht ohne zu gewagt zu sein (ein leicht süßer Dessertwein oder ein schöner Rosé)
Säule 3: Die persönliche Note – Etwas aus deiner Region, mit deiner Geschichte dahinter
Präsentation ist alles – der Wow-Effekt beim Öffnen
Ich erlebe es ständig: Winzer investieren Hunderte Euro in guten Wein, aber schenken bei der Verpackung. Großer Fehler! Die ersten fünf Sekunden beim Öffnen entscheiden über Begeisterung oder Enttäuschung.
Meine Erfolgstipps für die perfekte Präsentation:
Verwende niemals Standard-Weinkartons aus dem Großhandel. Die sehen nach Ramsch aus, egal was drin ist. Investiere in individuelle Holzkisten oder stabile Kartons mit deinem Logo.
Das "Zwiebel-Prinzip" beim Auspacken: Jede Schicht soll ein kleines Erlebnis sein. Seidenpapier, kleine Kärtchen mit Genuss-Tipps, vielleicht sogar eine handgeschriebene Notiz – das kostet wenig, wirkt aber enorm.
Die Weine selbst sollten niemals nackt in der Kiste liegen. Umhülle sie mit passenden Materialien – Jute für rustikale Weine, edles Papier für Premiumlinien.

Preisgestaltung: Der Kunst-Wissenschaft-Mix
Hier wird's tricky. Zu günstig wirkt billig, zu teuer schreckt ab. Ich habe eine einfache Formel entwickelt, die bei meinen Weingut-Kunden funktioniert:
Grundpreis der Weine × 1,4 + Verpackungskosten + 15-20% Gewinnmarge
Beispiel: Drei Flaschen à 12 Euro = 36 Euro × 1,4 = 50,40 Euro + 8 Euro Verpackung + 10 Euro Marge = 68 Euro Endpreis
Das klingt happig? Ist es aber nicht! Menschen geben für Geschenke mehr aus als für sich selbst. Ein 68-Euro-Weinpaket wird eher gekauft als drei einzelne 12-Euro-Flaschen.
Mein Tipp: Arbeite immer mit drei Preisstufen:
- Einstieg (35-45 Euro) – für Kollegen, Nachbarn
- Standard (55-75 Euro) – für Familie, gute Freunde
- Premium (85-120 Euro) – für besondere Anlässe
Saisonale Pakete: Timing ist Gold
Das Geschäft mit Weinpaketen ist stark saisonabhängig. Wer das ignoriert, verschenkt Umsatz. Ich helfe meinen Kunden dabei, das ganze Jahr über passende Angebote zu haben:
Frühjahr: "Frische Weine zum Erwachen" – helle Weine, leichte Rosés, mit Osterdeko
Sommer: "Terrassenweine & Grillbegleiter" – gekühlte Weiß- und Roséweine, eventuell mit Grillgewürzen
Herbst: "Erntezeit-Genuss" – kräftige Rotweine, dazu Nüsse oder getrocknete Früchte
Winter/Weihnachten: "Besinnliche Momente" – edle Rotweine, Glühweingewürz, wärmende Atmosphäre

Die Macht der Geschichte – warum Storytelling verkauft
Nackter Wein verkauft sich schlecht. Wein mit Geschichte verkauft sich von selbst. Das ist meine Erfahrung aus hunderten Projekten.
Jedes Paket braucht eine kleine Erzählung:
Nicht: "Drei verschiedene Rotweine"
Sondern: "Die Reise durch unsere Lagen – von der sonnenverwöhnten Südlage bis zum kühlen Hang"
Nicht: "Weißweinpaket"
Sondern: "Sommerabende wie in Italien – drei Weine, die nach Urlaub schmecken"
Mein Storytelling-Rezept:
- Persönlicher Bezug – Was bedeutet dieser Wein für dich als Winzer?
- Sinnliche Beschreibung – Wie riecht, schmeckt, fühlt sich der Moment an?
- Einfache Genuss-Anleitung – Wann und wie trinkt man die Weine am besten?
Add-ons, die den Unterschied machen
Weinpakete leben von cleveren Zusätzen. Aber Vorsicht – nicht jedes Extra macht Sinn. Ich rate zu Dingen, die das Weinerlebnis verstärken:
Perfekte Add-ons:
- Hochwertige Schokolade (passt fast immer)
- Regionale Köstlichkeiten (Käse, Würste, Honig)
- Schöne Weingläser (aber nur bei Premium-Paketen)
- Korkenzieher mit Gravur (wirkt persönlich)
Vermeide diese Fallen:
- Billige Gläser (lieber gar keine)
- Ramsch-Deko (Plastiktrauben, kitschige Servietten)
- Nicht passende Leckereien (Gummibärchen zum Bordeaux)

Marketing für Weingeschenke: Wo deine Kunden sind
Die besten Pakete nützen nichts, wenn sie keiner sieht. Hier meine bewährtesten Vermarktungs-Kanäle für Weingeschenke:
Lokale Geschäfte: Buchhandlungen, Feinkostläden, sogar Friseure nehmen gerne Weinpakete in Kommission. Der Vorteil: Die Kunden sind bereits in Kaufstimmung.
Online-Aufritt: Deine Website sollte eine eigene Geschenke-Sektion haben. Mit großen Bildern, klaren Preisen und der Möglichkeit, Grußkarten zu hinterlegen. So funktioniert das auch bei kleineren Betrieben.
Social Media: Instagram und Facebook sind perfekt für Weingeschenke. Zeige die Pakete beim Öffnen, lass zufriedene Kunden ihre Geschenke posten.
Der Erfolgsmesser: Diese Zahlen verraten dir alles
Ich empfehle meinen Weingut-Kunden, drei Kennzahlen im Blick zu behalten:
Conversion-Rate bei Weinpaketen vs. Einzelflaschen – Pakete sollten deutlich häufiger gekauft werden als Einzelweine in der gleichen Preisklasse
Durchschnittlicher Warenkorbwert – Geschenkkäufer geben meist mehr aus als Selbstkäufer
Wiederkaufsrate nach 6 Monaten – Gute Weinpakete bringen neue Stammkunden
Liegt eine dieser Zahlen unter deinen Erwartungen, stimmt etwas mit deiner Paket-Strategie nicht.
Typische Fehler, die Umsatz kosten
Nach Jahren der Beratung kenne ich die Klassiker. Diese Fehler sehe ich immer wieder:
Der "Alles-oder-nichts"-Fehler: Nur teure Premium-Pakete anbieten. Menschen brauchen Auswahlmöglichkeiten!
Der "Lieblings-Wein"-Fehler: Die eigenen Lieblingsweine ins Paket packen, statt die, die Geschenkempfänger mögen.
Der "Komplett-System"-Fehler: Zu viele Add-ons reinpacken. Weniger ist oft mehr.
Der "Jederzeit-verfügbar"-Fehler: Keine Verknappung schaffen. "Limitierte Edition" verkauft sich besser als "Immer erhältlich".

Die Wahrheit über erfolgreiche Weingeschenke? Sie entstehen nicht im Weinkeller, sondern im Kopf des Käufers. Wer das versteht und seine Pakete entsprechend gestaltet, macht aus jedem Anlass eine Verkaufschance.
Im nächsten Teil unserer Serie schauen wir uns an, wie du als Winzer zur persönlichen Marke wirst und damit Vertrauen bei Neukunden schaffst. Denn auch das beste Weinpaket kauft niemand von einem Unbekannten.
Brauchst du Hilfe beim Aufbau deines Online-Geschenke-Shops oder bei der Vermarktung deiner Weinpakete? Bei Medienzimmerei unterstütze ich Weingüter dabei, ihre Geschenkweine erfolgreich zu vermarkten – online wie offline.


