
Teil 5 der 10-teiligen Marketing-Serie für eigenständige Weingüter
Du kennst das: Als kleines Weingut kämpfst du ständig um Aufmerksamkeit. Die großen Namen haben das Marketing-Budget, du hast… nun ja, deutlich weniger davon. Aber hier ist die gute Nachricht: Du musst nicht alleine kämpfen.
Kooperationen mit regionalen Partnern können dein Marketing revolutionieren – ohne dass du dein Budget sprengst oder deine Eigenständigkeit aufgibst. Ich zeige dir heute, wie du klug vernetzt statt verbissen konkurierst.
Warum Kooperation der neue Königsweg ist
Vergiss das Märchen vom einsamen Wolf. Als Weingut im Jahr 2025 gewinnst du nicht, indem du alle anderen ausstichst. Du gewinnst, indem du erkennst: Gemeinsam könnt ihr ein Erlebnis schaffen, das keiner von euch alleine stemmen kann.
Deine Besucher wollen nicht nur Wein trinken. Sie wollen eine Geschichte erleben, Authentizität spüren, die Region schmecken. Und genau das schaffst du am besten mit Partnern, die andere Puzzleteile zum großen Ganzen beitragen.

Ein Beispiel: Du machst hervorragenden Riesling, dein Nachbar Klaus züchtet die besten Ziegen der Gegend, und Maria vom Keramik-Atelier brennt wunderschöne Weinbecher. Zusammen bietet ihr nicht mehr nur "Weinprobe". Ihr bietet "Riesling & Käse & Kunst" – ein Erlebnis, das Instagram-Stories füllt und lange in Erinnerung bleibt.
Die richtigen Partner finden (und erkennen)
Nicht jeder ist der richtige Kooperationspartner. Du brauchst Menschen, die deine Werte teilen und deine Zielgruppe ansprechen – aber trotzdem etwas anderes anbieten.
Ideale Partner in deiner Region:
Käse- und Milchproduzenten schaffen die perfekte kulinarische Ergänzung zu deinen Weinen. Besucher lieben die Kombination, und ihr könnt gegenseitig Verkostungen anbieten.
Künstler und Kunsthandwerker bringen Kreativität und Einzigartigkeit. Ein Töpfer, der Weinbecher brennt, oder ein Maler, der deine Weinberge portraitiert – das schafft bleibende Erinnerungen.
Bio-Bäcker oder Feinkost-Produzenten ergänzen dein Angebot um das perfekte Brot zur Weinprobe oder exklusive Aufstriche.
Ferienwohnungs-Anbieter und kleine Hotels können Package-Deals mit dir schnüren. Ihre Gäste bekommen exklusive Weinproben, du gewinnst neue Kunden.
So erkennst du die Richtigen: Sie haben ähnliche Qualitätsansprüche wie du, bedienen eine ähnliche Preisklasse, und – ganz wichtig – sie haben Lust auf gemeinsame Projekte statt Ego-Trips.
Konkrete Kooperations-Ideen, die funktionieren
1. Themenwochenenden entwickeln
Ihr plant gemeinsam Wochenenden zu bestimmten Themen. "Herbst in der Region" mit deinem Federweißer, Klaus' frischem Käse und Marias Keramik-Workshop. Jeder bringt seine Expertise ein, alle profitieren von mehr Besuchern.

2. Geschenkpakete schnüren
Zusammen kreiert ihr Präsent-Boxen, die viel attraktiver sind als eure Einzelangebote. "Genuss-Paket Heimat" mit zwei Flaschen Wein, handgemachtem Käse und einem Keramikbecher. Diese Pakete verkaufen sich zu Weihnachten, Geburtstagen und als Mitbringsel wie warme Semmeln.
3. Cross-Promotion in Social Media
Ihr postet regelmäßig voneinander und taggt euch gegenseitig. Klaus zeigt, wie sein Käse zu deinem Riesling passt. Du filmst, wie Maria einen Weinbecher töpfert. So erreicht jeder von euch die Follower der anderen – ohne Werbebudget.
4. Gemeinsame Events planen
Statt dass jeder sein eigenes kleines Event veranstaltet, plant ihr zusammen größere Aktionen. "Tag der offenen Tür" wird zu "Tag der offenen Region". Besucher können an einem Tag mehrere Betriebe kennenlernen – und kaufen überall etwas.
Die Kooperation strukturieren (ohne Bürokratie-Monster)
Du denkst jetzt vielleicht an komplizierte Verträge und endlose Meetings. Lass es. Die besten Kooperationen starten einfach und wachsen organisch.
Start klein und pragmatisch: Beginnt mit einem einzigen gemeinsamen Projekt. Ein Wochenende, ein Geschenkpaket, eine Social-Media-Aktion. Schaut, wie es läuft, lernt voneinander.
Klare, faire Aufgabenteilung: Jeder macht das, was er am besten kann. Du kümmerst dich um den Wein und die Weinbergführungen, Klaus bringt Käse und Wissen über Ziegen mit, Maria gestaltet die schönen Sachen. Keiner muss alles können.
Kosten und Gewinne ehrlich teilen: Redet von Anfang an offen über Geld. Wer übernimmt welche Kosten? Wie werden Einnahmen aufgeteilt? Ehrlichkeit verhindert später Ärger.

Kommunikation ist alles: Plant regelmäßige, kurze Treffen oder Telefonate. Nicht für stundenlanges Gerede, sondern um zu koordinieren und Probleme schnell zu lösen.
Häufige Stolpersteine umgehen
"Aber die stehlen mir doch Kunden!" – Diese Angst ist unbegründet. In Wahrheit bringt jeder Partner neue Kunden mit, die du alleine nie erreicht hättest. Klaus' Käse-Fans lernen deinen Wein kennen, Marias Kunst-Liebhaber entdecken euren Käse.
"Das wird viel zu kompliziert" – Nur wenn ihr es kompliziert macht. Startet mit simplen Aktionen, die jeder von euch auch alleine stemmen könnte.
"Die anderen profitieren mehr als ich" – Kooperationen funktionieren nicht wie eine Waage, wo alles gleich sein muss. Sie funktionieren wie ein Garten, wo jeder unterschiedliche Früchte erntet, aber alle mehr haben als ohne den Garten.
Marketing-Power durch gemeinsame Reichweite
Der größte Vorteil von Kooperationen? Ihr vervielfacht eure Reichweite, ohne einen Euro mehr auszugeben.
Klaus hat 800 Instagram-Follower, Maria 1.200, du hast 600. Zusammen erreicht ihr nicht 2.600 Menschen – sondern deutlich mehr, weil sich eure Zielgruppen nur teilweise überschneiden.
Konkret umsetzen:
Erstellt gemeinsame Hashtags für eure Region oder euer Kooperations-Projekt. #GenussRegionXY oder #WeinKäseKunst werden zu euren Markenzeichen.
Teilt regelmäßig Inhalte voneinander. Nicht als Pflichtübung, sondern weil ihr die Arbeit der anderen wirklich gut findet.
Plant gemeinsame Live-Sessions oder Stories, wo ihr eure Zusammenarbeit zeigt. Menschen lieben es, hinter die Kulissen zu schauen.

Von der ersten Idee zur dauerhaften Partnerschaft
Du bist überzeugt, weißt aber nicht, wo anfangen? Hier dein Fahrplan:
Woche 1-2: Identifiziere drei potenzielle Partner in deiner Region. Ruf sie an, lade sie auf einen Kaffee (oder ein Glas Wein) ein.
Woche 3-4: Plant euer erstes gemeinsames Mini-Projekt. Vielleicht nur einen gemeinsamen Instagram-Post oder ein kleines Geschenkpaket.
Monat 2-3: Wertet aus, wie das erste Projekt lief. Was hat funktioniert? Was würdet ihr anders machen?
Monat 4: Plant euer erstes größeres gemeinsames Event oder eure erste Themenwoche.
Der Blick nach vorn
Kooperationen sind keine einmalige Aktion, sondern eine Grundhaltung. Wenn du einmal verstanden hast, wie kraftvoll gemeinsames Arbeiten ist, wirst du überall Möglichkeiten sehen.
Vielleicht startest du mit Klaus und Maria. Nächstes Jahr kommen der Imker von nebenan und die Kräuter-Gärtnerin aus dem Nachbardorf dazu. Ihr werdet zu einem echten Netzwerk, das die ganze Region stärkt.
Und das Beste: Während ihr gemeinsam wachst, bleibt jeder von euch authentisch und eigenständig. Du machst immer noch deinen Wein nach deinen Vorstellungen. Aber du machst ihn nicht mehr alleine bekannt.
In Teil 6 unserer Serie schauen wir uns an, wie du deine persönliche Geschichte als Winzer nutzt, um echte Fans und Markenbotschafter zu gewinnen. Denn Menschen kaufen nicht nur Wein – sie kaufen Geschichten, Leidenschaft und Persönlichkeit.


