Marketing-Serie für Handwerker #8: Kooperationen – Wie du gemeinsam mit anderen mehr erreichst

Du kennst das sicher: Ein Kunde fragt dich nach einem Komplettumbau, aber du brauchst noch einen Elektriker, einen Fliesenleger und vielleicht einen Maler. Normalerweise sagst du: "Da müssen Sie sich selbst drum kümmern." Dabei verschenkst du bares Geld und ärgerst deinen Kunden.

Ich erlebe das in meiner täglichen Arbeit mit Handwerksbetrieben ständig. Die erfolgreichsten meiner Kunden haben eines gemeinsam: Sie arbeiten in starken Netzwerken und bieten ihren Kunden echte Komplettlösungen. Heute zeige ich dir, wie du das auch schaffst.

Warum Kooperationen dein Geschäft revolutionieren

Stell dir vor, du könntest jedem Kunden sagen: "Alles aus einer Hand – ich kümmere mich um alles." Das ist ein Verkaufsargument, gegen das deine Konkurrenz kaum ankommt.

Aus meiner Erfahrung mit lokalen Betrieben weiß ich: Kunden zahlen gerne 10-15% mehr, wenn sie sich um nichts kümmern müssen. Sie wollen einen Ansprechpartner, einen Terminplan und die Gewissheit, dass alles koordiniert läuft.

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Aber der finanzielle Vorteil ist nur ein Aspekt. Kooperationen lösen noch viel fundamentalere Probleme:

Du erreichst Projekte, die zu groß für dich allein sind. Letzte Woche erzählte mir ein Kunde von einem 80.000-Euro-Auftrag, den er nur bekommen hat, weil er mit zwei anderen Gewerken als Team aufgetreten ist. Allein hätte er maximal 25.000 Euro vom Kuchen abbekommen.

Du glättest deine Auftragsspitzen. Wenn du gerade wenig zu tun hast, springst du bei deinen Kooperationspartnern ein. Wenn du überlastet bist, helfen sie dir. Das ist wie eine natürliche Versicherung gegen Leerlauf und Stress.

Du lernst ständig dazu. Ich beobachte bei meinen Kunden: Die Handwerker in starken Netzwerken sind fachlich oft einen Schritt voraus. Sie tauschen sich über neue Techniken, Materialien und Tricks aus.

Die drei Kooperationsmodelle, die wirklich funktionieren

Nach Jahren der Beobachtung verschiedener Handwerkerbetriebe habe ich drei Modelle identifiziert, die besonders erfolgreich sind:

Das Empfehlungsnetzwerk: Du und deine Partner empfehlt euch gegenseitig weiter. Klingt simpel, funktioniert aber nur, wenn du systematisch vorgehst. Ich rate meinen Kunden: Führe eine Liste mit fünf Top-Partnern pro Gewerk. Tausche regelmäßig die Kontaktdaten aus und besprich gemeinsame Projekte.

Die Projektpartnerschaft: Ihr tretet gemeinsam bei größeren Aufträgen auf, bleibt aber eigenständige Betriebe. Das funktioniert besonders gut bei Sanierungen und Neubauten. Ein Beispiel aus meiner Praxis: Ein Sanitärinstallateur und ein Fliesenleger haben sich zusammengetan. Sie bearbeiten jedes Badezimmer-Projekt gemeinsam und haben ihre Umsätze verdoppelt.

Die Arbeitsgemeinschaft: Für Großprojekte gründet ihr eine offizielle ARGE. Das ist aufwendiger, aber bei Aufträgen über 100.000 Euro oft der einzige Weg, um ernst genommen zu werden.

So findest du die richtigen Partner

Die häufigste Frage, die mir gestellt wird: "Wie erkenne ich, ob ein anderer Handwerker ein guter Kooperationspartner ist?"

Meine Checkliste aus der Praxis:

Fachliche Qualität: Schau dir seine Arbeiten an. Würdest du die Qualität mit deinem Namen unterschreiben? Wenn nein, finger weg. Dein Ruf hängt daran.

Zuverlässigkeit: Hält er Termine ein? Reagiert er schnell auf Nachrichten? Ist er pünktlich bei Besprechungen? Diese weichen Faktoren entscheiden über Erfolg oder Frust.

Ähnliche Kundschaft: Arbeitet er in deinem Preissegment? Ein Luxus-Fliesenleger und ein Budget-Elektriker passen selten zusammen. Die Kunden merken das sofort.

Räumliche Nähe: Partner aus deiner Region sind Gold wert. Gemeinsame Termine lassen sich einfacher koordinieren, und ihr kennt die lokalen Gegebenheiten.

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Persönliche Chemie: Ihr müsst euch verstehen. Wenn schon das erste Gespräch zäh ist, wird die Zusammenarbeit ein Krampf.

Ein Tipp aus meiner Beratungspraxis: Starte mit einem kleinen Testprojekt. Ein Badezimmer oder eine kleine Renovierung reicht. Dabei merkst du schnell, ob die Chemie stimmt und die Arbeitsweise passt.

Die praktische Umsetzung: Schritt für Schritt

Ich begleite regelmäßig Handwerker beim Aufbau von Kooperationen. Hier die bewährte Schritt-für-Schritt-Anleitung:

Schritt 1: Bestandsaufnahme
Liste alle Gewerke auf, die deine Kunden regelmäßig zusätzlich brauchen. Bei einem Sanitärinstallateur sind das typischerweise: Fliesenleger, Elektriker, Maler, eventuell Trockenbauer. Priorisiere nach Häufigkeit.

Schritt 2: Marktanalyse
Recherchiere in deiner Region nach Betrieben in diesen Gewerken. Google, Gelbe Seiten, Empfehlungen von Kunden, Baumärkten oder Großhändlern. Erstelle eine Liste mit 3-5 Kandidaten pro Gewerk.

Schritt 3: Erstkontakt
Ruf an oder schreib eine E-Mail. Sei direkt: "Ich bin [Name] und führe einen [Betrieb] in [Ort]. Ich suche zuverlässige Partner für gemeinsame Projekte. Haben Sie Interesse an einem kurzen Gespräch?"

Schritt 4: Das Kennenlern-Gespräch
Triff dich persönlich. Café oder Büro, egal – Hauptsache ihr könnt ungestört reden. Wichtige Fragen: Wie läuft sein Geschäft? Welche Kunden hat er? Wie stellt er sich die Zusammenarbeit vor?

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Schritt 5: Der Probelauf
Vereinbart ein kleines gemeinsames Projekt. Dabei testet ihr, ob die Zusammenarbeit funktioniert: Termintreue, Qualität, Kommunikation, Umgang mit dem Kunden.

Schritt 6: Die Formalisierung
Wenn der Test gut läuft, macht Nägel mit Köpfen. Ein einfacher Kooperationsvertrag regelt die wichtigsten Punkte: Wie teilt ihr Aufträge auf? Wer ist Hauptansprechpartner beim Kunden? Wie rechnet ihr ab?

Die häufigsten Stolperfallen und wie du sie vermeidest

In meiner Beratungspraxis sehe ich immer wieder dieselben Fehler. Die drei kritischsten:

Fehler 1: Unklare Absprachen
"Wir machen das schon irgendwie" funktioniert nicht. Ich habe Kooperationen scheitern sehen, weil niemand wusste, wer was bis wann erledigen soll. Mein Rat: Schreibt alles auf. Wer macht was? Bis wann? Zu welchem Preis?

Fehler 2: Fehlende Qualitätskontrolle
Du haftest auch für die Arbeit deines Partners. Kontrolliere regelmäßig. Nicht aus Misstrauen, sondern aus Professionalität. Ein schlechter Partner ruiniert deinen Ruf.

Fehler 3: Einseitige Abhängigkeiten
Kooperiere mit mehreren Betrieben pro Gewerk. Wenn dein einziger Elektriker-Partner krank wird oder pleite geht, stehst du dumm da.

Gemeinsamer Marktauftritt: Mehr als die Summe der Teile

Die erfolgreichsten Kooperationen meiner Kunden haben einen professionellen gemeinsamen Auftritt entwickelt. Das muss nicht teuer sein, aber es muss stimmig sein.

Gemeinsame Visitenkarten: Alle Partner stehen drauf, jeder hat die Karten der anderen dabei. Kosten: 50 Euro für alle.

Website-Verlinkung: Verlinkt euch gegenseitig auf euren Websites. Das stärkt auch euer Google-Ranking. Wenn du Unterstützung bei deiner Website brauchst, helfe ich gerne.

Social Media: Postet Fotos gemeinsamer Projekte auf Facebook und Instagram. Markiert euch gegenseitig. Das zeigt Professionalität und Teamwork.

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Gemeinsame Flyer: Für Großprojekte könnt ihr einen gemeinsamen Flyer entwickeln. "Das Team für Ihr Traumhaus" oder ähnlich. Bei der Gestaltung solcher Materialien unterstütze ich als Designer regelmäßig Handwerker-Kooperationen.

Der erste Schritt: Was du heute noch tun kannst

Genug Theorie. Du willst loslegen? Hier deine Hausaufgaben für diese Woche:

Heute: Erstelle eine Liste mit fünf Gewerken, die deine Kunden regelmäßig zusätzlich brauchen. Priorisiere nach Häufigkeit.

Morgen: Recherchiere drei potenzielle Partner pro Gewerk. Google, Gelbe Seiten, frag deine Kunden nach Empfehlungen.

Diese Woche: Ruf mindestens zwei Kandidaten an und vereinbare ein Kennenlern-Gespräch.

Nächste Woche: Führe die Gespräche und plane ein erstes gemeinsames Projekt.

Die Investition: Drei Stunden deiner Zeit. Der potenzielle Gewinn: Doppelte Auftragslage und zufriedenere Kunden.

Kooperationen im Handwerk sind kein Hexenwerk, aber sie brauchen System und Durchhaltevermögen. Die Handwerker, die das verstanden haben, dominieren ihre lokalen Märkte. Die anderen kämpfen weiter um Einzelaufträge.


Du willst mehr über professionellen Marktauftritt und Kundenbindung erfahren? In meiner Marketing-Serie für Handwerker behandle ich alle wichtigen Aspekte – von der Website bis zur lokalen Sichtbarkeit. Oder du fragst mich direkt: Als Spezialist für Handwerker-Marketing kenne ich die Herausforderungen eurer Branche aus erster Hand.

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Wolfgang Dreher

Inhaber der MEDIENZIMMEREI und unterstützt Unternehmen seit 2004 dabei, mit Design (Online & Print) und Marketing erfolgreich zu sein.

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