Social Media für kleine Weingüter: Kanäle und einfache Content-Ideen (Serie für Weingüter, Teil 7)

Dies ist Teil 7 unserer Serie speziell für eigenständige Weingüter. Heute geht's um Social Media – ohne komplizierte Strategien, dafür mit sofort umsetzbaren Tipps.

Du stehst vor deinen Weinreben, machst fantastischen Wein und fragst dich trotzdem: Wie zum Teufel soll ich das alles auch noch bei Instagram und Facebook zeigen? Keine Sorge – Social Media für kleine Weingüter muss nicht kompliziert sein.

Während große Weinkellereien ganze Marketing-Teams haben, machst du alles selbst. Weinproduktion, Verkauf, Events – und jetzt auch noch Social Media? Das klingt nach Überforderung pur.

Aber hier ist die gute Nachricht: Du brauchst keine Profi-Ausrüstung oder stundenlange Posts. Ein modernes Smartphone und 15 Minuten täglich reichen völlig aus.

Instagram – dein visueller Verkaufsraum

Instagram ist für Weingüter wie geschaffen. 84% aller Weinliebhaber entdecken neue Marken über soziale Medien. Das bedeutet: Hier warten deine zukünftigen Stammkunden.

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Warum Instagram funktioniert:

Du verkaufst nicht nur Wein – du verkaufst ein Erlebnis. Instagram Stories zeigen spontan, was gerade im Weinberg passiert. Ein kurzes Video vom Sonnenaufgang über den Reben? Gold wert. Die Reels-Funktion bringt dich sogar zu Leuten, die dich noch gar nicht kennen.

Was du sofort posten kannst:

Zeig deine Hände bei der Arbeit. Menschen lieben authentische Einblicke. Du kontrollierst gerade die Gärung? Smartphone raus, kurzes Video, fertig. Du verkostest den neuen Jahrgang? Perfect für eine Story mit Umfrage: "Süß oder trocken – was ist euer Favorit?"

Stories verschwinden nach 24 Stunden automatisch. Das nimmt dir den Druck, alles perfekt zu machen.

Facebook – deine Event-Zentrale

Facebook erreicht die Generation 35+, die auch das Geld für guten Wein hat. Hier kündigst du Weinproben an, zeigst Fotos vom letzten Hoffest und antwortest auf Fragen.

Der Unterschied zu Instagram:

Facebook-Posts leben länger. Eine Ankündigung für deine nächste Weinwanderung wird auch Wochen später noch gefunden. Die Kommentar-Funktion eignet sich perfekt für Gespräche mit Kunden.

Erstelle eine Facebook-Seite für dein Weingut. Nicht dein privates Profil – eine richtige Unternehmensseite. Das wirkt professioneller und du kannst später auch bezahlte Werbung schalten.

Pinterest – der unterschätzte Verkaufshelfer

Pinterest wird oft übersehen, dabei funktioniert es für Weingüter fantastisch. Hier pinnen Menschen Ideen für Dinner-Partys, Food-Pairing und Geschenkideen.

Erstelle Boards wie "Wein und Käse", "Herbstliche Weinabende" oder "Geschenke für Weinliebhaber". Deine Pins werden monatelang immer wieder gefunden – ganz ohne weitere Arbeit.

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TikTok – nur wenn es dir Spaß macht

TikTok ist optional. Falls du gerne vor der Kamera stehst und kreativ bist, probier es aus. Kurze Videos über die Weinherstellung oder lustige Einblicke in den Winzer-Alltag können viral gehen.

Aber Achtung: TikTok frisst Zeit. Nur machen, wenn du Lust darauf hast.

Die 80/20-Regel – weniger Werbung, mehr Persönlichkeit

80% deiner Posts: Unterhaltsam, inspirierend, persönlich
20% deiner Posts: Direkte Verkaufsbotschaften

Das bedeutet konkret: Vier Posts über dich, deine Arbeit und dein Weingut. Dann ein Post mit "Neue Weine im Shop verfügbar".

Menschen folgen dir wegen der Geschichten, nicht wegen der Werbung. Erzähl von schlechten Ernten, unerwarteten Problemen oder besonderen Momenten im Weinberg.

Content-Ideen für jeden Tag

Montag – Behind the Scenes:
Zeig was gerade ansteht. Rebschnitt, Kellerarbeit, Verkostungen. Smartphone hoch, kurzes Video, Story online.

Dienstag – Wein-Wissen:
Erkläre einfache Dinge. "Warum riecht mein Wein nach Vanille?" oder "Was bedeutet eigentlich Barrique?" Keine Fachvorträge – einfache Antworten.

Mittwoch – Team und Familie:
Stell deine Helfer vor. Deine Familie, Saisonarbeiter oder den Hund, der immer im Weinberg mitläuft.

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Donnerstag – Food-Pairing:
Zeig, was zu deinen Weinen passt. Ein Foto vom Abendessen mit dem passenden Wein dazu. Menschen lieben Inspiration für ihre eigenen Abende.

Freitag – Events und Termine:
Kündige Weinproben an, zeig Fotos vom letzten Event oder teile Termine für Weinwanderungen.

Wochenende – Persönliches:
Was machst du in der Freizeit? Wie entspannst du nach einem langen Tag? Menschen kaufen von Menschen, die sie sympathisch finden.

Timing ist alles

Beste Posting-Zeiten:

  • Instagram: 18:00-21:00 Uhr
  • Facebook: 19:00-22:00 Uhr
  • Pinterest: Nachmittags und früher Abend

Aber ehrlich gesagt: Regelmäßigkeit schlägt perfektes Timing. Lieber jeden Tag zur gleichen Zeit posten, auch wenn es nicht die "optimale" Zeit ist.

Hashtags – einfach aber effektiv

Verwende 5-10 Hashtags pro Instagram-Post:

Allgemeine: #wein #weingut #winzer
Lokale: #badenwein #württemberg #regionwürttemberg
Spezifische: #riesling #spätburgunder #biowein

Bei Facebook reichen 1-3 Hashtags. Pinterest braucht gar keine.

User-Generated Content – lass andere für dich arbeiten

Animiere deine Kunden, Fotos zu posten. Erstelle einen einzigartigen Hashtag für dein Weingut: #weinbauMüller oder #müllerweine.

Wenn Kunden Fotos mit deinem Wein posten, teile sie in deiner Story. Das zeigt anderen: "Hier kaufen echte Menschen ein."

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Live-Videos – direkter Kontakt

Instagram Live oder Facebook Live kosten nichts und bringen dich direkt zu deinen Kunden. Mach spontane Weinproben, beantworte Fragen oder zeig live, wie du einen neuen Wein verkostest.

Live-Videos müssen nicht perfekt sein. Echte Momente sind interessanter als glatt polierte Präsentationen.

Budget – klein anfangen

Du brauchst kein Werbebudget. Aber falls doch: 50 Euro im Monat für Facebook-Werbung können lokale Reichweite enorm steigern.

Wofür Werbung sinnvoll ist:

  • Bewerbung von Weinproben und Events
  • Verkauf vor Weihnachten
  • Neue Weine im Onlineshop

Starte mit 5 Euro pro Tag für eine Woche. Schau was passiert. Dann entscheidest du.

Tools die helfen (und nichts kosten)

Canva: Erstelle schnell schöne Grafiken für Posts
Later oder Buffer: Plane Posts im Voraus
Matomo: Verfolge, welche Posts tatsächlich Website-Besucher bringen

Aber Achtung vor Tool-Überladung. Am Anfang reicht die normale Instagram- und Facebook-App völlig.

Häufige Fehler vermeiden

Zu viel auf einmal: Starte mit Instagram und Facebook. Mehr brauchst du nicht.

Perfektionismus: Deine Posts müssen nicht aussehen wie von einer Werbeagentur. Authentisch schlägt perfekt.

Unregelmäßigkeit: Lieber jeden zweiten Tag ein simpler Post als einmal pro Woche ein Meisterwerk.

Nur Produktfotos: Flaschenfotos langweilen. Menschen interessieren sich für Menschen.

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Erfolgsmessung – was zählt wirklich

Vergiss Likes und Follower-Zahlen. Was zählt:

  • Anfragen für Weinproben
  • Besucher im Hofladen
  • Online-Shop-Verkäufe
  • Anmeldungen zu Events

Frag neue Kunden: "Wie haben Sie von uns erfahren?" Das gibt dir echte Zahlen über Social Media Erfolg.

Dein nächster Schritt

Nimm heute dein Smartphone. Mach ein Foto von dem, was du gerade im Weingut machst. Schreib zwei Sätze dazu. Post es auf Instagram mit drei Hashtags.

Das war's. Du hast angefangen.

Social Media für kleine Weingüter ist keine Raketenwissenschaft. Es geht um regelmäßige, ehrliche Einblicke in deine Arbeit. Menschen kaufen von Menschen, die sie kennen und mögen.

Und falls du Hilfe bei der technischen Umsetzung oder einer professionellen Website brauchst, die mit deinen Social Media Aktivitäten harmoniert – ich unterstütze kleine Betriebe wie dein Weingut gerne dabei, online sichtbar zu werden.


Nächste Woche in Teil 8: "Von der Weinprobe zur Weinwanderung: Erlebnisformate, die mehr verkaufen als nur Wein"

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Wolfgang Dreher

Inhaber der MEDIENZIMMEREI und unterstützt Unternehmen seit 2004 dabei, mit Design (Online & Print) und Marketing erfolgreich zu sein.

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