
"Was kostet denn so eine Website?" – Diese Frage höre ich als Webdesigner fast täglich. Und die Antwort ist genauso unbefriedigend wie "Was kostet ein Auto?" Zwischen einem gebrauchten Polo und einem neuen Mercedes liegen Welten. Genauso ist es bei Websites.
In den letzten Teilen dieser Serie haben wir über die häufigsten Website-Fehler, professionelles Design und SEO-Grundlagen gesprochen. Heute schauen wir uns die Zahlen an – ehrlich und ohne Beschönigung.
Die Qual der Wahl: Vier Wege zu deiner Website
Du hast grundsätzlich vier Optionen, wenn du als Zimmerei oder Schreinerei online gehen willst. Jede hat ihre Berechtigung, aber auch ihre Grenzen.
Option 1: Selber machen mit Baukästen
Kosten: 5-15 Euro pro Monat
Jimdo, Wix oder WordPress.com sind verlockend günstig. Für 60-180 Euro im Jahr hast du eine funktionsfähige Website. Das klingt erst mal fantastisch, oder?
Die Realität sieht anders aus: Du investierst unzählige Stunden in das Erlernen der Software, kämpfst mit Design-Beschränkungen und ärgerst dich über fehlende Funktionen. Wenn deine Zeit nichts wert ist, kann das funktionieren. Falls du aber lieber Küchen planst oder Dächer deckst, wird's teuer – nur eben versteckt.

Option 2: WordPress selbst hosten
Kosten: 60-300 Euro pro Jahr
Das ist meine persönliche Empfehlung für technik-affine Handwerker. Mit einem guten WordPress-System hast du alle Freiheiten. Hosting kostet ab 5 Euro monatlich, ein Premium-Theme um die 50 Euro einmalig.
Der Haken: Du brauchst Zeit zum Lernen und musst dich um WordPress-Wartung kümmern. Sicherheitsupdates, Backups, Performance-Optimierung – das läppert sich.
Option 3: Die Billig-Agentur (300-1.500 Euro)
Finger weg!
Ich sage das direkt: Für 500 Euro bekommst du keine professionelle Website. Das sind Fließband-Lösungen mit Standard-Templates, lieblos zusammengeklickt. Nach drei Monaten bereust du die Entscheidung, weil die Website aussieht wie alle anderen auch.
Option 4: Professionelle Agentur
Kosten: 2.000-20.000 Euro
Hier fangen seriöse Angebote an. Für 2.000-3.000 Euro bekommst du eine solide 5-10 Seiten Website mit individuellem Design und Grundausstattung. Das ist das absolute Minimum für einen professionellen Auftritt.
Nach oben gibt's kaum Grenzen. Komplexe Online-Konfiguratoren, Kundenbereiche oder aufwendige Animationen können schnell 10.000-20.000 Euro kosten.
Was beeinflusst den Preis wirklich?
Als Webdesigner kann ich dir sagen: Es sind nicht die technischen Features, die teuer sind. Es ist die Zeit.
Design und Konzept (30-40% der Kosten)
Eine durchdachte Website braucht Planung. Wer ist deine Zielgruppe? Welche Projekte willst du gewinnen? Wie führst du Besucher zum Anruf? Ein guter Webdesigner analysiert erst, designt dann.
Standard-Templates sind billig. Individuelles Design kostet Zeit – und damit Geld.
Content und Texte (20-30% der Kosten)
"Die Texte liefern wir selbst" – höre ich oft. Dann kommt nach Wochen: "Können Sie das nicht übernehmen?" Professionelle Texte schreibt sich nicht mal eben schnell. Gute SEO-Texte brauchen Recherche und Know-how.
Funktionen und Features (20-30% der Kosten)
Kontaktformular, Galerie, Google Maps – Standard. Terminbuchung, Kostenrechner oder Kundenbereich – Sonderwünsche. Jede zusätzliche Funktion kostet Entwicklungszeit.
Nachbetreuung und Wartung (10-20% der Kosten)
Eine Website ist kein Möbelstück, das du einmal kaufst und vergisst. WordPress braucht Updates, Inhalte müssen aktualisiert werden, Backups erstellt. Viele Agenturen bieten Wartungsverträge ab 50-100 Euro monatlich an.

Worauf du bei der Investition achten solltest
Responsive Design ist Pflicht
2025 surfen über 60% der Menschen mobil. Eine Website, die auf dem Smartphone schlecht aussieht, kostet dich Kunden. Das ist keine Option, sondern Grundvoraussetzung.
Ladegeschwindigkeit entscheidet über Erfolg
Lädt deine Website länger als 3 Sekunden, sind 40% der Besucher weg. Website-Geschwindigkeit ist kein Nice-to-have, sondern überlebenswichtig.
Suchmaschinenoptimierung von Anfang an
Was nützt die schönste Website, wenn sie niemand findet? Grundlegende SEO-Optimierung sollte im Preis inbegriffen sein. Wenn der Webdesigner nicht über Meta-Titles und strukturierte Daten spricht, such dir einen anderen.
Zukunftssicherheit planen
WordPress, Typo3 oder ein selbstgebautes System? Die Entscheidung heute bestimmt deine Kosten in 5 Jahren. Proprietäre Systeme machen dich abhängig. Offene Standards wie WordPress geben dir Freiheit.
Wo sich die Investition richtig lohnt
Hochwertige Projektgalerien
Als Handwerker verkaufst du Vertrauen. Schlechte Fotos zerstören mehr Vertrauen als fehlende Referenzen. Investiere in professionelle Projektfotos oder lerne selbst zu fotografieren.
Lokale Sichtbarkeit
Google My Business, lokale Verzeichnisse, Bewertungsmanagement – hier holst du schnell neue Kunden. Das kostet wenig, bringt aber messbare Ergebnisse.
Automatisierung spart Zeit
Kontaktformulare mit automatischen Antworten, Terminbuchungstools oder FAQ-Bereiche reduzieren Anrufe und E-Mails. Du sparst Zeit, Kunden bekommen schneller Antworten.

Die brutale Wahrheit über billige Websites
Ich sehe regelmäßig Handwerker, die nach einem Jahr mit ihrer 500-Euro-Website unzufrieden sind. Sie investieren dann nochmal 2.000-3.000 Euro in eine professionelle Lösung. Rechne das mal zusammen.
Eine billige Website kostet dich nicht nur Geld, sondern auch Kunden. Jeder potenzielle Kunde, der wegen schlechter Darstellung abspringt, ist ein Verlust von mehreren hundert oder tausend Euro.
Meine ehrliche Empfehlung für Zimmereien und Schreinereien
Für den Start: 2.500-4.000 Euro
Das ist ein realistisches Budget für eine professionelle 8-12 Seiten Website mit individuellem Design, Kontaktformularen, Projektgalerie und Grundoptimierung für Suchmaschinen.
Für etablierte Betriebe: 5.000-8.000 Euro
Hier kommen erweiterte Funktionen dazu: Terminbuchung, Kundenbereich, aufwendigere Galerien oder Kostenrechner. Plus professionelle Texte und umfassende SEO-Optimierung.
Für Marktführer: 10.000+ Euro
Individuelle Lösungen, komplexe Konfiguratoren, mehrsprachige Websites oder umfassende Online-Marketing-Integration.
So findest du den richtigen Partner
Stelle die richtigen Fragen
- Zeigen Sie mir 5 aktuelle Projekte ähnlicher Betriebe?
- Was passiert, wenn das Projekt länger dauert?
- Wer schreibt die Texte?
- Wie läuft die Wartung nach dem Launch?
- Bekomme ich alle Zugangsdaten?
Lass dir den Prozess erklären
Seriöse Agenturen haben einen klaren Ablauf. Briefing, Konzept, Design, Programmierung, Test, Launch. Wenn jemand sofort mit dem Design anfangen will, ohne dich und deinen Betrieb zu verstehen, such weiter.
Achte auf die Kommunikation
Spricht der Webdesigner deine Sprache oder verliert er sich in Fachbegriffen? Du sollst am Ende mit der Website arbeiten, nicht er.
Was ich dir abschließend mitgeben möchte
Eine Website ist kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in deine Zukunft. Die Frage ist nicht, ob du dir eine professionelle Website leisten kannst, sondern ob du dir eine schlechte leisten kannst.
Falls du Fragen zu konkreten Angeboten hast oder eine ehrliche Einschätzung brauchst – ich helfe gerne weiter. Bei Medienzimmerei bekommst du transparente Beratung ohne Verkaufsdruck.
Im nächsten und letzten Teil dieser Serie schauen wir uns an, wie du deine neue Website erfolgreich pflegst und aktuell hältst. Bis dahin!


