Empfehlungsmarketing für Handwerker: Wie du mit zufriedenen Kunden ganz nebenbei Neukunden gewinnst

Teil 1 unserer Praxisserie: Marketing-Strategien für Handwerksbetriebe

Stell dir vor: Du lieferst perfekte Arbeit ab, der Kunde ist begeistert – und dann passiert… nichts. Keine Weiterempfehlung, keine Google-Bewertung, keine neuen Anfragen. Das ist wie Geld auf der Straße liegen lassen.

Ich erlebe das täglich bei meinen Handwerker-Kunden: 70% aller Neukunden kommen über Empfehlungen, trotzdem nutzen die wenigsten Betriebe dieses Potenzial systematisch. Dabei ist Empfehlungsmarketing die kostengünstigste und effektivste Methode, um kontinuierlich neue Aufträge zu generieren.

Das Problem: Gute Arbeit allein reicht nicht mehr

Früher hat sich gute Handwerksarbeit von selbst herumgesprochen. Heute ist alles anders: Deine Kunden sind beschäftigter, vergesslicher und haben hunderte andere Dinge im Kopf. Sie denken schlichtweg nicht daran, dich weiterzuempfehlen – selbst wenn sie mit deiner Arbeit mehr als zufrieden sind.

Das Resultat? Du verlierst jeden Monat dutzende potenzielle Neukunden, ohne es zu merken. Kunden, die bereits vorqualifiziert wären, weil sie von jemandem kommen, der deine Arbeit schätzt.

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Schritt 1: Aus Zufriedenheit wird Begeisterung

Zufriedene Kunden empfehlen nicht weiter. Begeisterte Kunden schon.

Der Unterschied? Du musst über das hinausgehen, was erwartet wird. Das bedeutet nicht, dass du kostenlos arbeitest – sondern dass du kleine, unerwartete Extras lieferst, die im Gedächtnis bleiben.

Praktische Beispiele aus meiner Erfahrung:

  • Der Fliesenleger, der nach getaner Arbeit das komplette Bad sauber hinterlässt
  • Die Malerin, die kleine Ausbesserungen kostenlos miterledigt
  • Der Schreiner, der dem Kunden zeigt, wie die neuen Schränke optimal genutzt werden

Diese kleinen Gesten kosten dich wenige Minuten, schaffen aber den emotionalen Unterschied zwischen "war okay" und "den muss ich meinen Freunden empfehlen".

Schritt 2: Aktiv um Empfehlungen bitten – aber richtig

Hier mache ich eine Beobachtung, die mich immer wieder verblüfft: Die meisten Handwerker bitten nie um Empfehlungen. Sie hoffen darauf, dass es von selbst passiert. Das ist wie Lotto spielen.

Der optimale Zeitpunkt: Direkt nach Projektabschluss, wenn die Begeisterung noch frisch ist.

So machst du es richtig:
"Herr Müller, ich sehe, dass Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind. Falls Sie jemanden kennen, der ähnliche Arbeiten braucht, freue ich mich über eine Empfehlung. Hier ist meine Karte mit allen Kontaktdaten."

Einfach, direkt, nicht aufdringlich. In 80% der Fälle bekommst du ein "Ja, gerne" – und damit einen potenziellen Multiplikator.

Schritt 3: Bewertungen sammeln wie ein Profi

Online-Bewertungen sind heute deine digitalen Empfehlungsschreiben. Ich rate allen meinen Kunden: Sammle systematisch Bewertungen, nicht nur zufällig.

Meine bewährte 3-Stufen-Methode:

  1. Während des Projekts: "Herr Schmidt, falls Sie am Ende zufrieden sind, würden Sie mir dann eine kurze Google-Bewertung schreiben?"
  2. Bei Projektabschluss: Zeige dem Kunden direkt auf seinem Handy, wie er eine Bewertung abgeben kann
  3. Follow-up nach einer Woche: Eine freundliche Nachricht mit dem direkten Link zur Bewertungsseite

Das Ergebnis: Statt einer Bewertung pro Monat bekommst du 5-8 Bewertungen. Das macht dich in der lokalen Suche praktisch unschlagbar.

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Schritt 4: Anreizsysteme einführen (aber richtig)

Ein kleiner Anreiz kann Wunder wirken – wenn du es geschickt anstellst. Ich kenne einen Fliesenleger, der jedem Kunden, der erfolgreich weiterempfiehlt, 50 Euro Rabatt auf den nächsten Auftrag gibt. Sein Neukundenanteil durch Empfehlungen: 85%.

Bewährte Anreizsysteme:

  • Rabatt auf die nächste Dienstleistung (10-15%)
  • Gutschein für ein lokales Restaurant
  • Kleine Geschenke mit deinem Logo
  • Kostenlose Zusatzleistung beim nächsten Auftrag

Wichtig: Der Anreiz sollte beiden Seiten nutzen. Der empfehlende Kunde freut sich über das Dankeschön, der neue Kunde über einen guten Kontakt.

Schritt 5: Digital sichtbar werden für Empfehlungen

Heute passieren Empfehlungen nicht mehr nur am Gartenzaun. Sie laufen über WhatsApp, Facebook und Google. Deshalb musst du dort präsent sein, wo deine Kunden digital unterwegs sind.

Deine Minimal-Ausstattung:

  • Google My Business-Profil: Aktuell halten, Fotos regelmäßig ergänzen
  • Eine einfache Website: Als digitale Visitenkarte, auf die Empfehlungen verweisen können
  • Social Media Präsenz: Mindestens Facebook oder Instagram für lokale Sichtbarkeit

Du musst kein Social Media-Experte werden. Aber du brauchst eine Basis, damit Empfehlungen digital ankommen können. Bei der Medienzimmerei helfe ich Handwerksbetrieben dabei, diese Grundausstattung kostengünstig aufzubauen.

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Schritt 6: Partnerschaften nutzen – das unterschätzte Potenzial

Neben direkten Kundenempfehlungen gibt es noch einen zweiten, oft übersehenen Kanal: Partnerschaften mit anderen Betrieben.

Praktisches Beispiel: Ein Elektriker arbeitet regelmäßig mit einem Maler zusammen. Sie empfehlen sich gegenseitig und teilen sich manchmal sogar Projekte. Beide profitieren von den Kontakten des anderen.

Mögliche Partner für Handwerker:

  • Komplementäre Gewerke (Elektriker ↔ Maler ↔ Fliesenleger)
  • Bauträger und Architekten
  • Immobilienmakler
  • Baumärkte und Fachhandel

Ein regelmäßiger Austausch mit 3-4 Partnerbetrieben kann deine Auftragslage merklich stabilisieren.

Schritt 7: Messen und optimieren

Was nicht gemessen wird, wird nicht besser. Deshalb solltest du mindestens einmal pro Monat schauen: Wie viele Neukunden kamen über Empfehlungen?

Einfache Erfolgsmessung:

  • Bei jeder Anfrage fragen: "Wie sind Sie auf mich aufmerksam geworden?"
  • Empfehlungsquote berechnen: Empfehlungskunden / Gesamte Neukunden × 100
  • Ziel setzen: 60-70% Empfehlungsanteil sind realistisch

Falls deine Quote unter 50% liegt, arbeite systematisch an den oben genannten Punkten. Das lohnt sich: Empfehlungskunden sind oft die profitabelsten, weil sie bereits Vertrauen mitbringen.

Der Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Ich sehe bei vielen Handwerkern den gleichen Fehler: Sie wünschen sich Empfehlungen, aber sie schaffen keine Systeme dafür. Empfehlungsmarketing funktioniert nur, wenn du es bewusst und systematisch betreibst.

Die gute Nachricht: Es ist einfacher, als du denkst. Du musst keine komplizierten Kampagnen starten oder viel Geld investieren. Du musst nur die richtigen Gewohnheiten entwickeln.

Dein Aktionsplan für diese Woche:

  1. Bei deinem nächsten abgeschlossenen Projekt aktiv um eine Empfehlung bitten
  2. Google My Business-Profil überprüfen und aktualisieren
  3. Überlegen: Welcher Partnerbetrieb könnte zu dir passen?

Empfehlungsmarketing ist kein Zaubertrick – es ist systematisches Arbeiten an der Kundenzufriedenheit und dem bewussten Nutzen von Mundpropaganda. Mit den richtigen Gewohnheiten wird aus jedem zufriedenen Kunden ein Multiplikator für dein Geschäft.

Wenn du Unterstützung bei der digitalen Seite brauchst – von der Website bis zur Online-Sichtbarkeit – melde dich gerne bei der Medienzimmerei. Ich helfe Handwerksbetrieben dabei, ihre Empfehlungen auch digital optimal zu nutzen.

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Wolfgang Dreher

Inhaber der MEDIENZIMMEREI und unterstützt Unternehmen seit 2004 dabei, mit Design (Online & Print) und Marketing erfolgreich zu sein.

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