
Die kurze Antwort: Ja, aber nicht so, wie du denkst.
Nach über einem Dutzend Websites für Zimmereien und unzähligen Gesprächen mit Handwerksbetrieben kann ich dir sagen: Social Media für Zimmereien ist wie ein gutes Werkzeug – in den richtigen Händen Gold wert, falsch eingesetzt pure Zeitverschwendung.
In den ersten sechs Teilen dieser Serie haben wir über Websites, SEO und Online-Marketing gesprochen. Jetzt geht's um die Frage, die mir fast jeder Zimmerei-Kunde stellt: "Brauche ich wirklich noch Instagram und Facebook dazu?"
Wo Social Media für Zimmereien wirklich funktioniert
Neue Kunden über Empfehlungen
Hier liegt der echte Goldschatz. Wenn dein Kunde sein neues Dachgeschoss auf Instagram teilt und dich verlinkt, ist das mehr wert als jede bezahlte Anzeige.
Warum? Weil Menschen ihren Freunden vertrauen. Wenn Familie Mueller ihr neues Carport zeigt und schreibt "Danke an Zimmerei Schmidt für die tolle Arbeit", dann merken sich das ihre Nachbarn.
Das passiert aber nur, wenn du es deinen Kunden leicht machst. Ein einfaches "Falls du dein Projekt teilen möchtest, tagge uns gerne @zimmerei_schmidt" beim Projektabschluss reicht oft.
Azubis und junge Fachkräfte finden

Hier wird Social Media richtig wertvoll. Junge Leute suchen nicht in den Gelben Seiten nach Ausbildungsplätzen – die sind auf Instagram und TikTok.
Ich kenne eine Zimmerei in Bayern, die regelmäßig Stories aus der Werkstatt postet. Nichts Aufwendiges – einfach den Azubi beim Hobeln gefilmt oder das fertige Fenster gezeigt. Ergebnis: Drei Bewerbungen in zwei Monaten, alle über Instagram gefunden.
Der Trick: Zeig den Alltag, nicht nur die Glanzprojekte. Junge Leute wollen wissen, wie es wirklich bei dir ist.
Deine Expertise zeigen (aber richtig)
Social Media eignet sich perfekt, um zu zeigen, dass du dein Handwerk verstehst. Aber nicht mit langen Texten über Holzarten – sondern mit dem richtigen Moment.
Ein kurzes Video, wie du ein kniffliges Detail löst. Ein Vorher-Nachher-Bild mit einem Satz Erklärung. Das reicht und wirkt authentisch.
Welche Plattformen machen für Zimmereien Sinn?
Instagram: Dein visuelles Schaufenster
Instagram ist wie dein digitales Schaufenster – aber eines, das 24/7 geöffnet hat. Zimmerei-Arbeiten sind visuell, und genau das liebt Instagram.
Was funktioniert:
- Projekt-Fortschritte in Stories
- Fertige Projekte im Feed
- Kurze Videos von kniffligen Arbeitsschritten
- Mitarbeiter-Vorstellungen
Was nicht funktioniert:
- Stundenlange Live-Streams
- Täglich neue Posts (das schafft eh keiner)
- Perfekt inszenierte Hochglanz-Fotos
Facebook: Für lokale Reichweite
Facebook ist bei Handwerkern oft verpönt, aber für lokale Betriebe immer noch wertvoll. Viele deiner potenziellen Kunden sind dort – besonders die Generation 40+.
Facebook eignet sich gut für:
- Kundenbewertungen sammeln und teilen
- Lokale Gruppen und Empfehlungen
- Längere Projekt-Geschichten
- Stellenanzeigen
TikTok: Nur wenn du Lust drauf hast
TikTok funktioniert für Handwerksbetriebe – aber nur, wenn du oder jemand in deinem Team wirklich Spaß daran hat. Halbherzige TikToks erkennst du sofort, und deine Zuschauer auch.
Der echte Aufwand – und warum die meisten scheitern

Hier wird's ehrlich: Die meisten Zimmereien scheitern an Social Media, weil sie es wie traditionelle Werbung behandeln.
Der häufigste Fehler
Du postest ein Foto von deinem neuesten Projekt mit "Schönes Projekt fertiggestellt. Kontaktiere uns für dein nächstes Bauvorhaben!"
Das ist wie ein Verkäufer, der dir beim ersten Gespräch schon die Hand für Geld aufhält.
So geht's besser
Stell dir vor, Social Media ist wie der Stammtisch im Dorfgasthaus. Du erzählst von deiner Arbeit, zeigst interessante Details, hilfst bei Fragen – aber du drängst nicht ständig zum Kauf.
Der realistische Zeitaufwand
Rechne mit 2-3 Stunden pro Woche, wenn du es ernst meinst. Das heißt:
- 15 Minuten täglich für Stories oder kleine Posts
- Eine Stunde am Wochenende für geplante Inhalte
- Zeit für Kommentare beantworten
Weniger funktioniert nicht nachhaltig, mehr ist als Zimmerei-Betrieb unrealistisch.
Wo Social Media definitiv NICHT lohnt
Bei akutem Fachkräftemangel ohne Zeit
Wenn du jetzt schon 60 Stunden die Woche arbeitest und kaum Aufträge abarbeiten kannst, ist Social Media der falsche Ansatz. Konzentrier dich erst auf deine Website-Grundlagen und lokale SEO.
Ohne klare Ziele
"Ich sollte wohl auch bei Instagram sein" ist kein Ziel. Wenn du nicht weißt, warum du Social Media machst, lass es.
Als Allheilmittel für schlechten Service
Social Media verstärkt nur, was schon da ist. Wenn deine Kunden unzufrieden sind, machst du es mit Social Media nur schlimmer – negative Bewertungen verbreiten sich schneller als positive.
Meine praktische Empfehlung für Zimmereien

Fang klein an
Starte nur mit Instagram. Poste ein bis zwei Mal pro Woche ein Foto von deiner Arbeit. Mehr nicht. Nach drei Monaten schaust du, ob es dir Spaß macht und Ergebnisse bringt.
Nutze was da ist
Du machst sowieso Fotos für deine Kunden oder die Versicherung? Teile die besten davon. Du erklärst deinem Azubi gerade einen Arbeitsschritt? Film es kurz mit.
Verknüpfe es mit deiner Website
Social Media ersetzt nicht deine Website – es ergänzt sie. Jeder Instagram-Post sollte interessierte Besucher zu deiner gut optimierten Website führen, wo die echten Geschäfte gemacht werden.
Das Wichtigste zum Schluss
Social Media für Zimmereien lohnt sich – aber nur als Teil eines durchdachten Online-Auftritts. Ohne eine solide Website als Basis verpufft der Social-Media-Aufwand.
Falls du dich fragst, wo du anfangen sollst: Mach erst deine Hausaufgaben bei Website und lokalem SEO. Dann kommt Social Media als Kirsche auf der Torte.
Brauchst du Unterstützung dabei? Als jemand, der täglich mit Handwerksbetrieben arbeitet (aber selbst keine Zimmerei betreibt), helfe ich dir gerne bei einer realistischen Strategie. Schreib mir einfach – ohne Verkaufsdruck, versprochen.
In Teil 8 schauen wir uns an: "Google My Business für Zimmereien – der unterschätzte Kundenmagnet". Dort zeige ich dir, wie du mit 30 Minuten Aufwand mehr Wirkung erzielst als mit stundenlangem Social-Media-Posts.


